Intersex

Intersexualität, was ist das?

Der Begriff bezeichnet biologische Besonderheiten der Geschlechtsdifferenzierung, die mit Transsexualität nichts zu tun haben. Das Ergebnis sind Uneindeutigkeiten zwischen männlich und weiblich, deren bekannteste, weil spektakulärste, und gleichzeitig seltenste der Hermaphroditismus ist.

Es handelt sich also um Menschen, deren Geschlecht von Geburt an hinsichtlich der Chromosomenkonstellation, der Keimdrüsen, der Hormonlage und der Anatomie nicht entweder nur männlich oder nur weiblich ist, sondern eine Mischung aus beidem darstellt. Dabei kann das äußere Erscheinungsbild sowohl eindeutig weiblich, eindeutig männlich, als auch irgendwo dazwischen angesiedelt sein.

Formen: Intersexuelle sind also Menschen zwischen den Geschlechtern, wobei es viele, viele verschiedene Erscheinungsformen gibt, die öffentlich nahezu unbekannt sind. Die Bandbreite der bisher bei Intersexuelle Menschen e.V. vertretenen Syndrome reicht vom häufig beobachteten CAIS (Complete Androgen Insensitivity Syndrome) und dem selteneren PAIS (Partial Androgen Insensitivity Syndrome) über reine (Swyer Syndrom) und gemischte Gonadendysgenesie, die Enzymdefekte 5-Alpha-Reduktase-Mangel und 17-Beta-HSD-Mangel bis hin zum äußerst raren LH-Rezeptordefekt (Leydigzell-Hypoplasie) und dem ?Hermaphroditismus verus".

Wenn Sie sich über diese Formen genauer informieren wollen, klicken Sie hier:

Erscheinungsformen

Wie sich diese Syndrome in den Biografien der Betroffenen niederschlagen, ist in "persönlichen Geschichten" von XY-Frauen nachzulesen:

Biografien | deutsch

Biografien | englisch

Terminologie: Den von der Medizin geprägten Begriff der Intersexualität halten viele Betroffene nicht für glücklich. Da er sich aber zur Bezeichnung des Phänomens international durchgesetzt hat, wird die Sprachregelung allgemein akzeptiert - wenn auch die begriffliche Nähe zur Transsexualität oft als störend empfunden wird. Wohl wegen der mangelnden Trennschärfe setzt sich in der Forschung nunmehr international der englischsprachige Begriff der Disorders in Sex Development, kurz: DSD, durch.

Viele Intersexuelle pflegen als Ergebnis der intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, den medizinischen und sozialen Realitäten einen organisch gewachsenen, selbstverständlichen Umgang mit Tabuworten, nutzen Schimpfwörter selbstbewusst zur Tatsachenbeschreibung und charakterisieren sich selbst als Zwitter.

Denn anders als Transsexuelle oder Anhänger der Postgender-Bewegung stellen nicht alle, aber viele Intersexuelle die bipolare Geschlechterordnung unserer Gesellschaft in Frage, setzen sich mit der Norm an sich auseinander. Sie sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, ein eigenes Selbstverständnis finden zu müssen, für das es in der Gesellschaft kein Vorbild gibt, weil die konventionellen Rollenvorstellungen von Mann und Frau zu kurz greifen.

Elternrolle: Ein großes Konfliktpotenzial birgt diese Situation auch für viele Eltern. Häufig sind sie durch die Geburt eines intersexuellen Kindes aufgrund fehlender Informationen überfordert, stehen Entscheidungen gegenüber, deren Auswirkung und Ausmaß sie nicht überblicken können. Dadurch implizierte Ohnmachtgefühle haben großen Einfluss auf den Umgang mit dem eigenen Kind. Jedes gegengeschlechtliche Verhalten wird von Eltern explizit registriert und manchmal auch angstvoll zu unterdrücken versucht. In Vergessenheit gerät dabei, dass auch ein solches Vorgehen Auswirkungen auf das Verhalten des Kindes nach sich zieht. Aufbau und Pflege einer intensiven, selbstverständlichen Verbundenheit zwischen Eltern und Kind und die Akzeptanz des dem Kind eigenen und ganz individuellen Wesens werden so vielfach erschwert, wenn nicht sogar unmöglich.

Lektüre: Als weiterführende Literatur empfehlen wir bei Interesse die folgenden Titel, die unter Mitwirkung von XY-Frauen entstanden sind. Nebenbei handelt es sich hier um die ersten beiden Sachbücher über Intersexualität in deutscher Sprache:

- Ulla Fröhling, "Leben zwischen den Geschlechtern - Intersexualität: Erfahrungen in einem Tabu-Bereich", Ch. Links Verlag 2003.

- Claudia Lang, "Intersexualität - Menschen zwischen den Geschlechtern", Campus Verlag 2006.

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