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Auf deiser Seite stellt der Verein Intersexuelle Menschen
seine Pressemitteilungen zum Download online. Nebenstehend finden Sie alle Pressemitteilungen in
chronologischer Reihenfolge zum Download als PDF-Datei. Nachfolgend befindet sich die jeweils
aktuelle Pressemitteilung zur direkten Ansicht:
Irreführender Gebrauch des Begriffs "Intersexualität" durch die Medien
Liebe Medienschaffende
Heute zeigt das Internationale Frauenfilmfestival 2008 in Köln als Eröffnungsbeitrag den
Film"XXY" der argentinischen
Regisseurin Lucia Puenzo, der das Thema Intersexualität behandelt. Der Verein Intersexuelle
Menschen e.V. freut sich sehr, dass das Frauenfilmfestival mit "XXY" einer sensiblen
Darstellung unserer Lebensrealität als intersexuelle Menschen diese einmalige Plattform bietet.
Noch dazu in der Stadt Köln, die in den letzten Monaten zu einem
historischen Schauplatz für Intersexuelle
wurde: Am 6. Februar 2008 gewann die zwischengeschlechtliche
Christiane Völling,
nach einer nie da gewesenen Monate langen Medienpräsenz, in erster Instanz den Prozess gegen
ihren ehemaligen Operateur. Da kommt Freude auf. Ebenso darüber, dass auch die Medien das Thema
aufgriffen.
Leider wird diese Freude sogleich wieder getrübt durch den irreführenden Gebrauch des Begriffs
"Intersexualität" in einigen Vorankündigungen. So wurde zum Beispiel in der
"Kölnischen Rundschau" vom 18. April 2008
einmal mehr Intersexualität fälschlicherweise mit Transsexualität gleichgesetzt
(mehr).
Durch solche und andere fahrlässige Verbreitung von Fehlinformationen durch die Medien wird allen
Betroffenen erheblicher Schaden und Leid zugefügt. Dies gilt in besonderem Masse für
mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geborene Menschen
(Intersexuelle, auch bekannt als Hermaphroditen oder Zwitter), von denen in Deutschland ca. 100'000 leben.
Diese werden in der Regel als Kinder vor dem 2. Lebensjahr ohne ihre Einwilligung an ihren
uneindeutigen Genitalien zwangsoperiert und danach ihr Leben lang angelogen, um ihnen ihr wahres
Geschlecht zu verheimlichen. Die meisten werden 'zu Mädchen gemacht', d.h. eine zu grosse
Klitoris respektive ein zu kleiner Penis wird operativ verkleinert oder gar amputiert. Dabei wird
in Kauf genommen, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird. Zudem
werden sie kastriert, d.h. es werden ihnen die gesunden, Hormone produzierenden inneren
Geschlechtsorgane entfernt, was eine lebenslange Substitution mit körperfremden Hormonen zur
Folge hat, die wiederum oft zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führt. Die Tabuisierung
und Unsichtbarmachung der Betroffenen in der Öffentlichkeit trägt massgeblich dazu bei, dass
diese menschenrechtswidrige Praxis weiterhin andauert.
Umso wichtiger ist es, korrekt über Intersexualität aufzuklären, wobei den Medien eine besondere
Verantwortung zukommt – gerade jetzt, wo unter anderem dank Christiane Völling oder dem
kommenden Kinostart des Films "XXY"
(Besprechung einer Betroffenen)
die Existenz intersexueller Menschen zunehmend Gegenstand öffentlichen Interesses wird.
Die Filmverleiher im deutschsprachigen Raum haben dahin gehend ein Zeichen gesetzt, dass sie
ihre Verantwortung wahr nahmen und
differenziert über die Thematik informieren.
Wird hingegen wie im obigen Beispiel einmal mehr medial dazu beigetragen, dass Intersexuelle nicht
wahrgenommen und stattdessen mit Transsexuellen verwechselt werden, hat das für die Betroffenen
verheerende Folgen. Viele Intersexuelle leiden darunter, dass sie zuerst von einer menschenrechtswidrigen
Medizin und danach in der Öffentlichkeit pauschal mit Transsexuellen gleichgesetzt werden.
Auch Christiane Völling muss beispielsweise neben der in erster Instanz gewonnenen Schadenersatzklage
in zwei weiteren Verfahren gegen Mediziner und Behörden kämpfen: Das Amtsgericht Kleve und der
MDK Köln verweigern ihr seit bald zwei Jahren Personenstandsänderung und "Rekorrektur-OP" –
stattdessen wird Christiane Völling von beiden Stellen bedrängt, in ein
für sie verhängnisvolles Verfahren
nach dem Transsexuellengesetz einzuwilligen.
Der Verein Intersexuelle Menschen e.V. appelliert im Namen der Betroffenen an alle Medienschaffenden,
ihre Verantwortung wahrzunehmen, sich über Intersexualität zu informieren und faktentreu, kompetent
und differenziert über darüber zu berichten. Da Begrifflichkeiten Fakten schaffen, ist nicht zuletzt
eine trennscharfe Behandlung von Intersexualität und Transsexualität sehr wichtig.
Liebe Medienschaffende, bitte lasst uns intersexuelle Menschen nicht im Stich!
Für Fragen und Auskünfte stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Herzlichen Dank für Ihren Beitrag zur Verbesserung unserer Situation!
Daniela Truffer
1. Vorsitzende Intersexuelle Menschen e.V.
Mehr Informationen:
http://intersexuelle-menschen.net
http://xy-frauen.de
http://intersex.at
http://intersex.ch
Kontakt:
Intersexuelle Menschen e.V.
c/o Anja Kumst
Slebuschstieg 6
20537 Hamburg
vorstand@intersexuelle-menschen.net
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